Das Zwischenseminar in Georgien und eine kleine Arbeitspause

Nach längerer Schreib-Pause: hello again!

Von der Symbolik kommt es der Halbzeit nahe, mathematisch noch nicht ganz – das Zwischenseminar.
Kurze technische Einführung für’s “wieso, weshalb, warum?”:
Das Zwischenseminar ist, wie das Vor- und die zwei Nachbereitungsseminare Pflichtteil eines jeden Freiwilligen, der seinen Dienst über das Programm “weltwärts” antritt und findet meistens ungefähr zur Hälfte der Dienstzeit statt.
So also für mich in der vergangenen Woche.
Da Zentralasien nicht die überlaufenste Gegend ist, werden die Freiwilligen mehrerer Länder in ein bestimmtes Land eingeladen, das geographisch günstig liegt und möglichst wenig Scherereien mit dem Grenzübertritt macht.
In meinem Falle hieß die Wahl Georgien – genauer Tiflis.
Zusammen mit Freiwilligen aus Kirgistan, Kasachstan, Tadschikistan, Armenien, Georgien und Mazedonien trafen wir uns zum Info-Austausch.
Angedacht waren fünf Tage inklusive An- und Abreise und diese wollten genutzt werden.

Im einzelnen wurden alle Einsatzstellen noch einmal vorgestellt, Erfahrungen ausgetauscht und Rückblicke geworfen. Vorzubereiten waren ein paar Länderberichte zu den Fragen, was bspw. das Leben in den jeweiligen Ländern kostet (Verhältnis von Einkommen, Ausgaben und Preisniveau) und ganz konkret sollte ein Porträt einer Lebensgeschichte eines Menschen unserer unmittelbaren Umgebung vorgestellt werden.
Die Rechnung, die Team „Sozialdorf Manas“ vorbereitet hat, werde ich zum Verständnis-Gewinn für die hiesigen Bedingungen und Lebenshaltungskosten-Dimensionen einmal mit anhängen.
Für das Porträt erlaubten wir uns den Scherz, eine Freiwillige aus unserem Team vorzustellen und Ereignisse ihrer Lebensgeschichte so zu beleuchten, als könnte man sie uns gut als Biographie einer kirgisischen Einheimischen abkaufen, um ein bisschen auf die Willkürlichkeit der Berichterstattung nach gewissen Mustern aufmerksam zu machen – ein bisschen auch, um die Seminar-Veranstaltungsleitung zu foppen, die manchmal ober-akribisch für politische Korrektheit den Moral-Zeigefinger schwingt, doch eigentlich diese Intention bestätigen sollte.
An sich eine gute Sensibilisierung in Bezug auf Informationsmangel, Vorurteils-Freude und verzerrt wahrgenommene Bilder von Teilen dieser Welt, doch manchmal ein Flaschenhals des Informationsflusses in einer Diskussion, wenn sich die Aufmerksamkeit vom Kernproblem ab- und sich der Ausdrucks-Methodik zuwendet.
Doch das vielleicht am Rande.
Des Weiteren gab es noch einen kleinen Ausflug in die Geschichte (speziell Zentralasiens), den ich als sehr aufschlussreich empfand und in der ich gut einige Erfahrungen und ihre Ursachen unterbringen konnte, die ich in Kirgisistan bereits gemacht habe. Zum Beispiel die Wasser-Ressourcen und der politische Umgang mit ihrer internationale Verteilung zur Bewässerung und der Nutzung zur Strom-Gewinnung. Sowie die Einflüsse durch die ehemalige Sowjetunion, was im Beispiel Kirgisistan die absolute Sesshaftwerdung bedeutete und inwiefern das mit heutigen kulturellen und infrastrukturellen Zügen in Verbindung zu bringen ist.

Insgesamt war es eine schöne Zeit. Es gab recht viele Freiräume, einen Ausflug in die Gegend und oberleckeres Essen, für das sich ein georgischer Koche zu verantworten hatte. Er hat, glaube ich, jeden überzeugen können.
Ich behaupte hier: Essen ist vielleicht das Grundelement bei Seminaren und Gruppen-Veranstaltungen. Wenn das Essen nicht stimmt, dann hat der inhaltliche Überbau schlechte Chancen. Ganz sicher nicht nur dort, doch da fällt es mir besonders auf, wenn ich mal so ein bisschen überlege.
Der Schlaf ist dabei nicht so stark gewichtet – das habe ich auch ausprobiert.

Eigentlich ist gutes Essen sowieso eine schöne Sache. Nehmt euch Zeit dafür und genießt es!

Abgeschwoffen…

Um noch ein bisschen mehr von Georgien, bzw. seiner Hauptstadt Tiflis mitzubekommen, buchten fast alle ihre Flüge so, dass die, um das Seminar gelegenen, Wochenenden noch zur Aufenthaltszeit dazugehörten.
Also hatte ich noch ein paar Tage in Tiflis. Es war beeindruckend. Die, vom Relief, recht hügelige Stadt bot ein ganz anderes Bild dar, als das mir gedanklich unmittelbar präsente Bischkek. Eine Altstadt, kleine Plätze, verwinkelte Straßen und Gassen, die kein Auto unbeschadet hätte passieren können, Balkone und Dachterrassen, Kirchen, so eingebaut, dass man sie entweder nur von Weitem oder nur, wenn man direkt davor stand, sah. Die ganze Stadt zu sehen, war natürlich leider nicht nicht drin und so mag mein Bild nicht das perspektivenreichste sein, gerade weil wir uns viel in, vom Tourismus recht häufig durchstreiften, Ecken herumtrieben. Doch das, was ich sah, hatte einen Anstrich, den ich lange nicht wahrgenommen hatte. Das Stadtbild war irgendwie emotionaler geprägt und hatte eine Art eigene Leidenschaft – es war nur so ein subtiles Gefühl. Insgesamt war es mediterraner und auf meiner Vergleichstabelle südländisch behaucht.
Das zeigte auch die nationale Küche. Viele Schmackhaftigkeiten, deftiges Essen, Käse und georgischer Wein überzeugten mich gut.
Mit sieben anderen Freiwilligen mieteten wir uns in einer Airbnb-Wohnung ein und genossen die Zeit.
Ich war froh, einmal rauszukommen aus Belovodsk und für die Zeit die Seele baumeln zu lassen.

Fotos werde ich mal hier ans Ende packen und nicht mit einbauen:

 

Der Knotenreichtum der Tiflis’schen Altstadt-Bauten

 

Die Schwefelbäder – ein Herzstück in der mythologischen Geschichte Tiflis’

 

Keller einer georgischen Restaurant-Kette. Leider sind Gläser und Teller schon leer…
(Diese Brille habe ich übrigens auf einem Parkplatz vorgefunden – so einsam, dass ich sie mitgenommen habe…)

 

Die nächtliche Himmels-Linie der georgischen Hauptstadt aus dem Betrachtungs-Winkel unserer Mietwohnung

 

Ruinen-Russenhocker-Rowdies am Werk

 

Abschlussfoto aller Seminarteilnehmer

 

Trotz vollgematschter Botten das Pokerface nicht fallengelassen – Fotoshooting für eine Momentaufnahme

 

Hier noch das Dokument:
Wir haben eine konkrete Familie zu ihrem Einkommen und ihren Ausgaben befragt und diese anonymisiert ausgewertet – das schließt die Pauschalisierung für einen kirgisischen Durchschnitt aus, doch gibt es vielleicht genug Info für eine allgemeine Idee her.

ZS_Was kostet das Leben

 

Soweit das Zwischenseminar.

Demnächst werde ich eine Übersicht der Lage in der Einrichtung und meinen Senf dazu geben, darüber habe ich lange nicht geschrieben.

Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit!

LG,

-Jason

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