Ein Adventsbasar – ein deutscher

Die Kerzen und allerlei Filzprodukte verstaut, fuhren wir in die Stadt zu einem kleinen Adventsmarkt, auf dem wir wohl ein Teil Tisch für unsere Produkte hätten und diese dort unter der Flagge des Sozialdorfes verkaufen sollten.

Aus den kirgisischen, grauen Straßen kommt man an einem Schild mit der Aufschrift “Steinbräu” an – schon die nicht mehr kyrillischen Buchstaben deuten darauf hin, dass der Begriff aus einer anderen Sprache kommt. Erstaunlich deutsch, habe ich überlegt, als ich beim Betreten des Grundstücks vor einem Bratwurststand stehe. Die Schlange ist lang. In eine Blechtonne wirft jemand Holzscheite und ein paar Schritte an den, mit bunt blinkenden Lichterketten verhangenen Tannen, vorbei, schmettert eine Outdoor-Jukebox einen Weihnachtschor in Richtung Ankömmlinge, der den offenen Mund passiert und Gehör beim Ohr findet.
Unbeirrt stehen die Bremer Stadt-Musikanten  vor einem Glühweinstand und zeigen sich von ihrer besten Seite.
Ich muss lachen. Hier ist etwas komisch, komisch, weil der Kitsch so schrecklich bekannt vorkommt. Die anderen Freiwilligen winken herein. An der Tür zum Eingang steht “drücken”. Innen begrüßt die imaginäre Kinnlade das Schlüsselbein. Auf einem riesigen Braukessel steht ein Chor mit Weihnachtsmützen und singt Jingle-Bells, an Ständen werden Plätzchen und Stollen (!) verkauft.

 

Die Deutsche Brauerei im Weihnachtslook mit Chor (dieser leider ohne Mützen)

 

Ein Exempel für die anderen Verkaufstische.

Wieder draußen, erinnert der Muezzin, wo ich mich befinde. Wieder berüttelt, belustigt und etwas perplex helfe ich bei der Suche nach unserem Stand. Es gibt ihn nicht. Bei einsetzendem Schneegestöber stellen wir uns auf die kältere Seite der Glasscheiben nach draußen und schlagen unser Lager auf.

 

Noch unverschneit: unser Stand unter freiem Himmel.

 

Auch Krippen-gerecht, nur, dass Maria und Joseph von den Tieren kaum zu unterscheiden waren.

Es geht gut was weg und es kommen viele interessierte Menschen vorbei, die Gespräche und Kontakte suchen. Die Stimmung ist ganz angenehm.
Als die Finger gegen Abend irgendwann kalt werden, kommen die anderen Freiwilligen mit selbstgemachtem Glühwein. Zu angenehm warm zeigt der auch irgendwann seine Wirkung und errötet kurz vor Feierabend so manche kalte Nase.

 

Glühwein alle, Glitzer grell, ab nach Hause, aber schnell!

Was für eine schräge Erfahrung. Eine Bratwurst habe ich aber irgendwie verpasst, zu essen, doch davon werde ich im Leben sicherlich noch genug haben.

An dieser Stelle möchte ich wieder einen größeren Text ankündigen.
Die Zeit rennt doch schnell und ich möchte noch etwas häufiger schreiben.

Bis dahin allen eine schöne Adventszeit!

Liebe Grüße,

-Jason

3 Antworten auf „Ein Adventsbasar – ein deutscher“

  1. Frohe Weihnachten, Jason!
    Es ist wirklich immer wieder lustig und schön, deine Berichte zu lesen.
    Bei der Qualität der Kerzen gucke ich lieber nicht so genau hin, oder? Ihr hattet bestimmt kalte Füße, dass ihr nicht lang genug warten konntet, bis ihr sie wieder eingetaucht habt. oder lag’s an den Stöckern? Mehr als eine gleichzeitig geht nach wie vor nur mit Profitauchkorb. verzeih mir, aber das konnte ich jetzt nicht lassen. Ich bin ja stolz, dass du überhaupt freiwillig Kerzen ziehst… Und freu mich unglaublich, deine Berichte zu lesen. Ich wünsch dir ein tolles neues Jahr! Joana

  2. Lieber Jason!
    Frohe Weihnachten für Dich! Wir hoffen, Du hattest auch ein paar traditionell, besinnliche Stunden. Wahrscheinlich hast Du das Glück, Weihnachten im Schnee zu feiern.
    Wir freuen uns immer von Dir zu lesen. Hin und wieder erzählt uns Anna von Dir. So sind wir öfter als Du denkst in Gedanken bei Dir. Das erste Viertel liegt schon hinter Dir. Wir wünschen Dir für das nächste Viertel Durchhaltevermögen, Kraft und gut Ideen. Jörn und Dagmar

    1. Liebe Dagmar, lieber Jörn,
      danke für die lieben Grüße und Wünsche!
      Weihnachten habe ich gut überstanden und mit einem Gummi-Baum statt einer Tanne nebst Festschmaus einen schönen Abend gehabt. Lustigerweise sorgte ein Warmwettergebiet dafür, dass jeglicher Schnee, kurz bevor er für die weiße Weihnacht gebraucht wurde, aufgetaut wurde und ich tagsüber fast im T-Shirt umherlaufen konnte… Nun fallen die Flocken wieder.
      Auch ich bin in Gedanken oft zu Hause und bei euch. Im Garten oder mit einem Tee auf der Couch und denke gern an leckere Speisen aus dem Feuer-Topf, lustige und ruhige Stunden.
      Habt eine schöne und besinnliche Zeit!
      Bis bald,
      Jason

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