Erster Ausflug…

…an den Songköl (Соңкөл), den zweitgrößten Bergsee Kirgistans.

Das erste richtige Wochenende sollte ein freies werden und es ergab sich direkt die Möglichkeit mit einem Über-Eck-Bekannten, einem Reiseleiter, in die Berge zu fahren.

„Die letzte Möglichkeit für dieses Jahr“, sonst würde es zu kalt.

Erst, als alle am Ziel ausstiegen fragte ich, wie hoch es denn nun wirklich sei. „3016 Meter“. Aber hallo – und das kurz vor Herbst/Winter-Einbruch in Kirgistan.

Aber erst einmal zur Fahrt.

Von unserer Seite waren wir drei deutsche Freiwillige aus bekannter Einrichtung und auf den 13 anderen Plätzen sammelten sich viele Menschen mit anderen Nationalitäten. Zwei urlaubende Israelis, ein Syrer, mit dem ich mich sehr gut verstand, eine Horde partylustiger Franzosen, ein Albaner, ein Amerikaner, zwei Schweizerinnen und noch ein paar Deutsche, zwei weitere Freiwillige und zwei, die am Bau der neuen deutschen Botschaft in Bischkek beteiligt sind. Fast die Hälfte derer, die ich nun auf ihre Nationalität reduziert habe, sind Studenten hier in Bischkek, entweder Auslandssemestler oder Vollzeit-Kirgistan-Studierende. Ich fand es spannend, zu schauen, wen es nun alles hier hertreibt, denn (außer Guide und Fahrer) war kein einheimischer Gast dabei. So abgelegen dieses Land doch scheint, gibt es doch eine recht große internationale Szene.

Gerade erst wurde eine hochmoderne internationale Universität zu Allgemeinbildungszwecken für alle „Schichten“ errichtet.

Bunt gemischt fahren wir also 6 Stunden mit dem längsten Sprinter-Modell in die Berge.

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf einem hiesigen Vieh-Markt, auf dem ich mich ganz schön bilderbuch-touristisch – mit Snapchat-Fotos von Tieren und hochgehaltener GoPro gefühlt habe, gewinnen wir stark an Höhe.

Angekommen ist es wirklich kalt. Während die Temperaturen im Tal noch bei über 20 Grad lagen, ist die Zahl nun nur noch einstellig. Und dann der Wind…

Doch die Weite und die Luft sind berauschend. Kein Verkehrsstaub mehr – nur klare, kalte Luft, die vom Wasser des Bergsees kommt und auf der Kopfhaut für Anspannung sorgt.

Ein erstaunlicher Ort. Es gibt gefühlt nur zwei farbige Farben – Gelb und Blau, sonst verschiedene Stufen Grau. Der See, meine Jacke und der Himmel waren blau, die weite Steppe, auf der kein einziger Baum oder Strauch stand, war gelb – die Berge im Hintergrund und die Wolken grau. Da entspannt sich das Auge mal richtig. Die Reizminimierung tut gut.

In der Nähe und Ferne sind weiße Flecken in der Landschaft zu sehen – Jurten. Wie früher… Nein nein – also nicht ganz. Sie sehen so aus, doch viele sind für touristische Zwecke gedacht – wohl für das „Nostalgie-Feeling“ (nicht ausgeschlossen, dass die Menschen hier tatsächlich noch leben).

Doch es wirkt. Es fühlt sich schon urig an. Vor allem, weil es nachts richtig kalt wurde und eine Ladung Kohle für den Ofen reichen musste. Davor war jedoch noch reges Treiben. Es wurden Spiele gespielt und gewonnen hat derjenige, der sich am besten und lautesten präsentieren konnte. Die ein oder andere Vodka-Flasche wurde dabei auch irgendwie leer.

Der nächste Tag wurde ruhiger. Alle, die sich gestern an eben beschriebenem Vorgang in besonderem Maße beteiligten, waren heute erstaunlich zurückgezogen. Doch es gab noch ein Highlight.

Die weite Hochebene, umringt von einem Bergkessel mit dem See in der Mitte wurde zur Zucht von Viehherden benutzt – ein Geschäft. Unter anderem von Tieren Typ Pferd. Diese wurden neben der Zucht zum Transport von darauf Sitzenden benutzt (eigentlich für den zuerst beschriebenen Zweck).
Genau diese Beschäftigung stand bevor. Reiten. Gar nicht so schwer. Draufsetzen und los ging es. Ich wusste zwar nicht, wo der Rückwärtsgang ist, aber dafür hatte es eine fast stufenlose Automatik von der ich aber auch nicht genau wusste, wo man nun wirklich Gas gibt. Vielleicht hatte es einfach nicht genug Sprit im Tank. Es war aber erstaunlich geländegängig. Ein spannendes Erlebnis und ein würdiger Abschluss für diesen Kurzausflug, bevor es mit dem Bus wieder ins Tal.

Für das visuelle Miterleben sind hier ein paar Fotos mit beigefügt.

Bald beginnt hier der Winter und ich bin gespannt, inwieweit er die Landschaft noch minimalistischer gestalten kann. Doch bis es soweit ist – es soll richtig kalt, – 25°C und weniger werden – schaue ich mich erst mal nach einer geeigneten Jacke um, nachdem mein Winter-Parker das Flugzeug nicht mit mir verlassen hat.

Ihr hört von mir – bald auch nochmal mit einem konkreten Bericht über meine Einsatzsstelle.

Bis dann!

Peace out,

-Jason

Gefährt: 1 PS und Vierbein-Motor; mit Mitfreiwilliger
Eine scheue Milch in der Steppe
High comfort – Liegestühle am Songkül, nur 10 som pro Tag
Stilvolles Strauchloses Steppen-Stillleben
Schöne, kalte Jurten – historisch behaftete Bauwerke

2 Antworten auf „Erster Ausflug…“

    1. Hallo Joana,
      danke für dein Feedback.
      Ich werde zusehen, euch auf dem Laufenden zu halten.
      Eine schöne Zeit zwischen bunten Blättern und regnerischen Stürmen (am besten im Warmen vor dem Fenster mit einem Tee oder beim Umgraben im kalten Schulgarten ;)).
      Liebe Grüße zurück!

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