Frohes Geoster! Und, ach ja… Frohes Neues!

Liebe Leser*/Innen und Gelesene,

Frohe Ostern!

Und nachträglich eine frohes und gesundes neues Jahr!

Dieser Nachtrag reicht gar nicht so weit zurück, wie vielleicht der eine oder die andere bis jetzt vermuten mag, sondern, um ziemlich genau zu sein, so 1,714 Wochen.
Und zwar feiert man hier ganz gehörig das Noorus/Nouruz /Naurus/Naurys/Frühlings- oder eben Neujahrs-Fest.
Pünktlich zum Frühlingbeginn wird hier am 20. oder 21. März – wenn sich Tag und Nacht zu ihrem ersten fairen Schichtwechsel abklatschen – ein neues Jahr gefeiert.

Zu diesem Fest wurden wir Freiwilligen aus dem Sozialdorf von einer Mitarbeiterin in ihr Heimat-Dorf zum Feiern eingeladen.
Die Feier war groß angelegt und wird jedes Jahr von einer anderen Geburtsjahres-Dekade organisiert.
Auf einer Bühne wurde viel gelobt, gesungen, erzählt, Gutes gewünscht und gepriesen. Jedenfalls glaube ich das, aus Erfahrungen ähnlicher Situation, so einigermaßen richtig verstanden zu haben, denn es war alles auf Kirgisisch und da verstecken sich meine Kenntnisse noch irgendwo hinter den Zahlen von 1 bis 20.
Kinder liefen umher, schleckten Eis, einige ältere Gestalten verzogen sich ab und zu mal hinter die Hausecke, um dort Quellen edlen Wassers zu suchen und zu finden und alle anderen waren von dem Bühnengeschehen recht ergriffen.
Das Wetter war, wie bestellt und rechtzeitig abgeholt eine gute Überdosis Sonne, die nach dem Winter dem Warm-Wetter-Übermut den Durst stillte.
Das Highlight war vielleicht die Gemeinschafts-Tafel.
Denn als alle Redner und Sänger fertig waren, wurde, absteigend nach dem Alter gestaffelt, zu Tisch gebeten. In einer Turnhalle waren lange Tafeln aufgebaut. Leider reichte unser Gruppen-Alters-Schnitt nicht für die erste Runde, doch zu Essen bekam ich auf jeden Fall dann noch genug. Brote, Salate, Früchte, Plov (ein typisches zentralasiatisches Gericht) und Pferdefleisch wurden serwiehert.

*Wer einmal in den Genuss von Pferdefleisch kommt soll danach für ein paar Stunden kein kaltes Wasser trinken, sondern nur heißen Tee – sonst tut‘s im Magen weh – so wurde mir geraten.

Hat man rechtzeitig aufgegessen, bekam man draußen Spiele zu sehen, die Teil der Tradition sind:
Tau ziehen, abgewandeltes Topfschlagen, Ringen und ein Fangespiel, bei dem der Mann die Frau fangen muss – jedoch auf Pferden. Gelingt es ihm, muss er sie küssen, gelingt es ihm nicht, darf sie ihn mit der, schon für das Reiten nützlichen, Peitsche schlagen. Leider habe ich nur noch das Ringen mitbekommen…

 

Die Bühne auf dem Schulhof. Links eine traditionelle Jurte.
Wir waren leider alle zu jung, um direkt essen zu können, also mussten wir warten.
Nun aber doch zu Tisch. Etwas verwackelt, ist dennoch zu erkennen, dass es viel Essen gab.
Ringkampf.
Vollgefuttert wie ich war, hielt ich mich mit Absicht eher in der zweiten Reihe auf, denn herausgefordert werden konnte man schnell.

 

Der Tag war lustig und Sauerstoffreich. Mit der Kollegin gingen wir abends noch in ein Café und tanzten, bis wir wussten, dass es schwer sein würde, am nächsten Morgen gut aus dem Bett zu kommen.

 


 

Auch im Sozialdorf wurde Noorus (kirgisische Schreibweise) am nächsten Tag nachgefeiert.

Es lief ähnlich ab. Die Bewohner bereiteten ein Konzert und eine Bühnenshow vor – es gab Musik, Spiele und leckeres Essen für alle. Auch das Wetter war noch so gütig, wie am Tag davor.

Ich lernte noch ein Spiel kennen, bei dem man mit getrockneten Kniegelenken von, meist bereits verspeisten, Schafen schmeißt. Dafür gibt es viele Varianten.
Einige erinnern ein wenig an Boule oder Botcher, doch der eigentliche Kniff ist es, mit einem Wurfknie die anderen Knochen vom Boden, entweder einfach möglichst weit oder aus einem markierten Bereich, zu schießen.

Wir aßen, schossen Knochen und schwitzten nach einem finalen Basketball-Spiel.
Sonnenrote Gesichter waren die Folge dieser Festlichkeiten.

 

Auf der Outdoor-Bühne wird von der Ältesten ein Weihung durchgeführt.
Hier ist Aibek “Manastschik” –
so wird die sehr respektierte Person genannt, die Mythen über den Nationalhelden “Manas” in besonderer, künstlerischer Art erzählt.
Mit diesen Schafs-Knöchlein spielt man Geschicklichkeits- und Wurfspiele.
Ein heißes Match – sowohl vom Punktestand, als auch vom Wetter

 

Ich hoffe, ihr hattet alle einen guten Rutsch und habt auch alle versteckten Eier wiedergfunden. Diese machen sich ja so auch spätestens in ein paar Wochen bemerkbar…

 

Liebe Grüße soweit und auf bald!

-Jason

Tschon Aryk bei Sonnenschein mit drei gefährlichen Gestalten.

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