Ordentlich Einheizen

„-15°C und es wird noch kälter…“

Nun, da es eine immer zentralere Bedeutung bekommt, möchte ich über das Heizen schreiben.

Zwar habe ich einen milden Winter erwischt, doch auch 5° bis -7°C wollen sich nur außerhalb der vier Wände befinden.
Dennoch zeigt der Winter, dass er mehr drauf hat. Ein paar kalte Tage und Temperaturen in der Nacht von -10 bis -12°C hat es auch schon gegeben.
Nun soll sich zeigen, was er noch für ein Potential hat.
Für dieses Wochenende sind Tiefstwerte in der Nacht von -24°C für die Region angesagt. Tagsüber -15, -17°C.

Ausgerechnet zu diesem Wochenende haben sich Ski-begeisterte Gäste angemeldet, mit denen wir die Pisten der Umgebung Bischkeks unsicher machen wollen. Weiter oben wird es ja bekanntlich noch kälter… Mal schauen, was daraus wird.

Was jedoch das Wichtigste ist – die Häuser müssen geheizt werden und zwar mit glühenden Ofenrohren.
Schimmel und Atemwölkchen drohen sonst dem nass-kalten Raumklima und das soll vermieden werden.

Nach einiger Tüftelei und tagelangem Ausprobieren soll folgende Vorhergehensweise beschreiben, wie dem Herr zu werden ist:

 

Man nehme für die warme Bude zuallererst einen Ofen:

Bestandteile:

1) Die Fressluke:
Einfüllen von Brennmaterial, nervende Gegenständen und manchmal auch ein bisschen Müll, wenn keiner guckt…

2) Die Luftzufuhr/der Aschenbecher
Zum erfolgreichen Abbrennen der Kohle braucht es Sauerstoff von unten. Brennkammer und Aschenbecher sind nur durch ein Gitter getrennt. Der untere Raum dient gleichzeitig als Auffang für Asche und Reste.

3) Das Wasser-Heizelement
Im Bereich der heißen Abluft der Verbrennung befinden sich Kassetten, durch die Wasser fließt, welches sich dort erwärmt und im Kreislauf weiter in die Heizkörper geleitet wird.

4) Die Umwälzpumpen
Um das Wasser gleichmäßig zu erhitzen und die gewonnene Wärme-Energie effektiv zu nutzen, wird das Wasser mit diesen Pumpen in Bewegung gehalten – wie bei anderen Heizsystemen.
Fallen diese Pumpen einmal aus oder vergisst man, sie einzuschalten, kann das Wasser lokal anfangen zu Kochen. Das scheppert und brodelt, dass die Scheiben klirren. Als es uns das erste Mal passiert ist, dachte ich kurzzeitig, es gäbe ein kleines Erdbeben.

5) Elektro-Sieder
Um die Heizung schnell, aber teuer auf Touren bringen zu können, gibt es diese Elektroeinheit. Wenn man bedenkt, wie gut diese isoliert ist, kann man froh sein, dass sie nicht funktioniert.

Des Weiteren sind folgende Ressourcen nicht verzichtbar:

Das Starterholz

 

Die Geschichte zu dem Holz, dass uns derzeit (durch seinen hohen Feuchtigkeitsgehalt mehr oder weniger) zum Anheizen dient, ist etwas traurig.
Der Walnussbaum störte den Nachbarn, da es wohl ein paar Äste gab, die Blätter auf sein Grundstück verloren. Kurzum wurde dieser in unserer Abwesenheit 6 Meter vor der Grundstücksgrenze um 50 % seiner Krone erleichtert. Man ey, er war eines der wenigen schönen Objekte in der Umgebung – naja, Kohle drüber…

Die Kohle

Bereits die zweite Fuhre Kohle liegt nun in der Garage verstaut – sie ist von besserer Qualität. Sie brennt länger und heißer, ohne auszugehen. Insgesamt sind es vielleicht 7 Tonnen.

Folgende Instrumente dürfen nicht fehlen

1) Natürlich Streichhölzer

2) Die Ofen-Schippe (hier noch etwas eingesaut, weil der große Hund ein bisschen gekotzt hat).
Zum Beladen der Fressluke und Entleeren des Aschenbechers.

3) Der Spieker
Zum regelmäßigen Durchgraben des Brennkammerinhalts, um das Herausfallen der Asche und anderer Rückstände zu erleichtern und somit für frische Luftzufuhr zu sorgen; als Stocher- und Kokel-Instrument für feuerlustige Spielfritzen.

4) Booster-BRAUN
Falls die Lunge zum Pusten nicht reicht.

5) Axt(/Fleischhacke)

6) Eimer

Essentiell ist der richtige Einsatz des Brennmaterials

7) Pappe zum Anfeuern

8) bis 10) Feuerholz verschiedener Trockenheit und Durchmesser.
Zum Aufbau einer ausreichenden Hitze zum Entzünden der Kohle.

11) Dicke Klumpen
Da sie die Luftzirkulation nicht behindern und lange brennen, eignen sie sich, entzündet zwischen den brennenden Holzscheiten, gut als Grundlage für einen heißen Ofen.

12) Kohle groß und klein.
Ist ein heißes Feuer erreicht, wird hiermit immer wieder Nachschub gegeben.

 

Brennt der Ofen, so ist die Luftzufuhr wenigstens immer ein bisschen geöffnet. Tut sich dieser Vorgang schwer, wird sie weiter geöffnet. Brennt die Kohle sehr gut, kann diese wieder etwas weiter geschlossen werden.

Damit der Ofen nicht ausgeht, muss alle 15 bis 20 min. nachgeschippt werden – Vier Schippen, ca. 2 kg bei den den kalten Temperaturen. Das macht vielleicht 70 bis 80 kg Kohle am Tag.

Zur Nacht wird die Luftzufuhr nach dem Abbrennen der Kohle geschlossen, um die Wärme noch etwas zu bewahren.

 

Ich wollte einen einigermaßen detaillierten Bericht darüber schreiben, weil ich mich geärgert habe, dass mir das Internet nicht erzählen konnte, wie ich mit Steinkohle heizen soll.
Schon verständlich, dass es eine etwas dreckigere und überholte Variante ist, doch sollten die Gas-Preise einmal rasant ansteigen, die Umweltschutz-Vorgaben in Vergessenheit geraten und der OBI um die Ecke auf einmal Steinkohle zum guten Preis anbieten, soll man sich hier eine Einführung ansehen dürfen.

 

Allgemein wird es bald wieder eine Übersicht geben. Es gibt doch einiges zu erzählen und dafür möchte ich mir noch einmal extra Zeit nehmen.

 

Bis dahin wünsche ich euch allen eine schöne Zeit und warme Füße!

Glühende Grüße,

-Jason

3 Antworten auf „Ordentlich Einheizen“

  1. Hallo Jason, über Heiztechnik kann ich ein Lied singen. Fast 40 Jahre(vierzig) hatte ich das Glück, drei Kachelöfen zu heizen. Im Prinzi funktionierte das wie bei dir. Wesentliches Heizelement war dazumal die gute alte Braunkohle. Übrigens ist derUnterschied zur Braunkohle nur der, daß sie eine weitaus größeren Heizwert hat. Da du nun in einer ganz anderen Zeit lebst , sind die diese urbanen Tätigkeiten entgangen. Also weitermachen !Bei uns herrschen zur Zeit frühlingshafte 8-10 Grad über Null. Solche von dir beschriebenen Kältegrade sind mir nicht unbekannt. Also fröhliches Frieren. Gruß von Opa aus Banzkow

  2. Heyho lieber Jason,

    dein Bericht weckt in mir Kindheitserinnerungen. Hach… 🙂 Vor und nach der Schule den Kokseimer füllen und Kohlen schleppen, danach kräftig einheizen. Wenn es zuviel Koks war, rumpelte es kräftig in der Bude und der Ofen drohte zu explodieren. Jedenfalls dachte ich das als Kind. 😀 In meiner Erinnerung hatten wir aber vor über 30 Jahren schon modernere Öfen und Werkzeug als du da in Kirgistan. Oh Menno! 😀
    Halt die Füße warm, lieber Jason. Ich wünsche dir ein paar wohlige Plusgrade, schmackhaftes Schnabulieren ohne Schafsgeschmack und im Notfall immer ne Steinkohle und einen Feuerstein im Gepäck. Es grüßt und drückt dich von Herzen die Susan mit krasser Fußbodenbodenheizung … schnick und an… welch ein Luxus….

    1. Hallo liebe Susan,
      alle Zehen sind noch dran und es scheint, als wäre die Kälte weitesgehend überstanden. Der Frühling taut langsam ins Haus und dezimiert die Menge der nötigen Heizmittel. Nach einer Pause durch das Zwischenseminar erwarte ich bald den Wetterumbruch und einen neuen Abschnitt im Dienst. Grüß alle lieb zu Hause und hab’ eine schöne Zeit.
      Bis bald grüßt der Jason!

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